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Neurodermitis

Neurodermitis ist eine Erkrankung des Immunsystems und der Haut. Vereinfacht gesagt ist die Haut Opfer einer "Meuterei" des Immunsystems. Sie kann bei Menschen mit einer besonderen erblichen Veranlagung entstehen, die Atopische Disposition genannt wird. Diese Veranlagung kann von einem oder beiden Elternteilen erworben werden, kann aber auch spontan auftreten. Sie kann in jedem Lebensalter erstmalig auftreten, häufig bereits in der ersten 6 Lebensmonaten. Der Verlauf ist in der Regel wechselhaft und ist abhängig von sogenannten Provo-kationsfaktoren. Längere erscheinungsfreie Phasen sind möglich, eine richtige Heilung gibt es aber nicht. Häufig wird bei Kindern eine spontane Besserung mit fortschreitender körperlicher und geistiger Entwicklung beobachtet wenn die Lebensumstände allgemein günstig sind.

Symptome: Juckreiz, Rötung und Schuppung, Krusten, überwiegend trockene Haut, teilweise nässende Areale.

Lokalisationen: Im Prinzip kann die Erkrankung von Kopf bis Fuß auftreten. Die meisten Betroffenen haben jedoch individuelle Prädilektionsstellen, das heißt, es sind im Schub meistens die gleichen Stellen betroffen, so zum Beispiel nur die Augenlider, die Kopfhaut, Ellenbeugen und Kniekehlen oder immer nur die Handflächen- und Fußsohlen. Gelegentlich sind nur minimale Areale wie einzelne Fingerspitzen oder Zehenzwischenräume betroffen. 

Provokationsfaktoren:                                                                                                                            Bakterielle  oder virale Infektionen, z.b. der Atemwege. Vor allem das Bakterium Staphylokokkus aureus ist bei ca. 90% der Patienten auf befallener und sogar zu ca. 75% auf erscheinungsfreier Haut zu finden. Axillen, Leisten und die Nasenvorhöfe sind bedeutende Reservoire für diese Keime, die zwar in der Regel keine Infektion der Haut verursachen, jedoch eine Art allergische Reaktion des Immunsystems auf die Keime auslösen.

Private und berufliche Stressfaktoren --- Schwitzen --- Staubbelastung ---  Allergie gegenüber Hausstaubmilben, Pollen, Nahrungsmitteln (♦) --- Rauchen sowohl aktiv wie passiv ---  Austrocknung der Haut durch falsche Hautpflege oder übertriebene Reinigung --- falsche Kleidung (Wolle) --- Überempfindlichkeit gegenüber Schokolade, Citrusprodukten, Farb- und Konservierungsstoffen --- Schnuller --- nasse Windeln --- beruflich bedingte Hautbelastungen.

(♦): Bei über 30% der Kinder mit Neurodermitis können Nahrungsmittel das Ekzem verschlechtern. Bei Verdacht sollte zunächst ein Symptomtagebuch zur Klärung geführt werden. Erhärtet sich der Verdacht sollten Haut- und Bluttests zur weiteren Diagnostik eingesetzt werden. In einzelnen schweren Fällen kann auch eine stationäre orale Provokationstestung in einer Fachklinik sinnvoll sein.

Vorbeugung: Die beste Vorbeugung ist eine schonende Hautreinigung und Hautpflege nach dermatolgischer Beratung und eine gesunde Lebensweise. Dazu zählt der Verzicht auf Genussmittel wie Rauchen (auch pa- ssiv !) und Alkohol, ein sinnvol strukturierter Tagesablauf mit ausreichend Ruhe- und Schlafphasen und eine natürliche und gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an pflanzlicher Kost, soweit keine Allergien ermittelt wurden. Zuviel Citrusfrüchte, gefärbte Süßigkeiten, nuss-nougathaltige Schokoladeprodukte und ein zu hoher Anteil an fetthaltigen Fleischwaren sind zu meiden.                                                                                                    Soweit möglich sollten unnötige Stressbelastungen vermieden werden, dazu gehört auch ein sinnvoller Umgang mit Fernsehen, Internet und anderen Medien. Sportliche Betätigung an frischer Luft ist günstig, zu starkes Schwitzen und  Staub auf der Haut sollten vermieden werden. 

Sie sollten hautreizende Kleidung vermeiden, als Unterwäsche ist naturbelassene, ungefärbte Baumwolle, die bei 90º Grad gewaschen wurde, am besten geeignet. Auch Seide wird als angenehm empfunden.                       Ungünstig ist Synthetik auf der Haut (Ausnahme moderne Vliesstoffe), kratzende Firmenschildchen aus Synthettik, Waschmittelrückstände durch zu kaltes Waschen oder zu kurzes Spülen der Wäsche, Reste von Pestiziden, Herbiziden, Formaldehyd oder löslichen Farbstoffen in Wäsche aus unkontrolliertem Anbau. 

Stillen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten und der Beginn mit Beikost ab dem 5. - 7. Lebensmonat hat sich als vorbeugend gegen eine Entwicklung allergischer Erkrankungen bei familiärem Risiko zu Allergien bzw. Neurodermitis erwiesen. Der Verzehr von Seefisch mit Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft und Stillzeit und auch als Beikost beim Kind scheinen ebenfalls vorbeugend zu wirken.

Bei Kleinkindern mit genetisch bedingt gestörter Hautbarriere (leicht reizbare und trockene Haut) scheint frühe Exposition zu Katzenallergenen die frühe Entwicklung einer Neurodermitits zu fördern. Für Hausstaubmilben konnte dies nicht beobachtet werden.

Therapie: Zunächst muss die Diagnose und die Hautbeschaffenheit dermatologisch festgestellt werden. Die Behandlung erfolgt mit Cremes, Lotionen, Salben oder Schüttelmixturen je nach Hautzustand. Die Wirkstoffe müssen die Entzündungsvorgänge stoppen und eine eventuell unerwünschte Keimbesiedlung beseitigen. Am Anfang wirken moderne Kortikoide am schnellsten. Sie haben bei fachgerechter individueller Anwendung heute nicht mehr das Risiko innerer Nebenwirkungen oder Hautverdünnung. Weitere Wirkstoffe können pflanzlicher Herkunft wie z.B. Hamamelis oder Schieferöl sein. Eine weitere moderne, aber auch teurere, Alternative sind Calcineurinhemmer wie Pimecrolimus oder Tacrolimus. In bestimmten Fällen werden auch Lichttherapien mit Schmalband UV-B oder UV-A, Antihistaminka oder Antibiotika eingesetzt. In der Hautklinik kann in besonders schwierigen Fällen auch die hochenergetische UV-A1-Therapie eingesetzt werden.                                               

Für die Behandlung größerer Flächen hat sich auch die ambulante Balneo-Phototherapie (ABPT)  bewährt. Hierbei wird nach einem 20-minütigem Bad mit Salzsole oder Psoralenen eine UV-B oder UV-A Lichtbehandlung angeschlossen. Bei Neurodermitis bezahlen nur die privaten Kassen diese Behandlung.

Nach Rückbildung der Symptome muss die Haut mit pflegenden Cremes stabilisiert werden, um die Barrierefunktion der Haut wieder herzustellen. Wichtig ist die Regulation des pH-Wertes der Haut. Geeignet sind z.B. Präparate wie Excipial Fett~/ Creme, Excipial  U Lipolotio, Dexeryl Creme, pH - 5 Eucerin, Dermatop Basis Creme/ Salbe, Physiogel Lotio, Cetaphil Creme oder ~ Lotio u.v.a.. Bei uns können Sie Proben zum Ausprobieren bekommen.

Bei gesicherter Nahrungsmittelallergie sollte das Nahrungsmittel für ein bis zwei Jahre gemieden werden.

Bei Allergien gegenüber Hausstaubmilben oder Pollen kann auch die Hyposensibilisierung helfen.

Bei starker psychischer Provokation sollte eine begleitende psychiatrische oder psychologische Therapie erfolgen.

Fast immer ist eine ambulante Behandlung ausreichend. Für schwere Fälle gibt es Hautkliniken oder Reha-Klinken, in die der Dermatologe überweisen kann. 

 

zuletzt aktualisiert 08.07.10  Ha.

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